Der Roman ist eine Hommage an Randfiguren, die in Zagrebs Hochhaussiedlungen ihr Dasein fristen. In einem Land, das sich seit dem Krieg stark verändert hat, haben sie den Zug verpasst, da sie damals beim Umbruch zu alt waren. Zu alt, zu träge und nicht schnell genug bereit, sich den neuen Strukturen anzupassen. Die Frische des Neuen geht wirkungslos an ihnen vorbei. Sie sind Passagiere auf einem untergehenden Schiff, dessen Untergang sich hinzieht.
Sie haben nicht viel mehr zu tun, als ihren Alltag zu bewältigen. Trotzdem sind sie ständig gehetzt und immer auf der Suche nach etwas Unbestimmten. Am Ende flüchten sie sich dann in den Alkohol oder in die Frustration, oder in beides. Sie leben wie Menschen, denen die Aussicht auf ein besseres Morgen versperrt ist.
Das Buch handelt von Baba, der ständig trinkt und über den Roman nachdenkt, den er schon vor Jahren fertiggestellt haben wollte; von Vera, die seine Frau ist und die noch entdecken muss, ob sie sich das weiterhin antun möchte; von Kanceli, der sich als ehemaliger Rechtsanwalt vor jeder Art von Verantwortung in asketische Verhältnisse flüchtet; von Stjepan, der jeden Tag auf die Erektion seines Penis wartet, um dann seine Geliebte anzurufen; von Robi, dem es materiell im Grunde an nichts fehlt, der jedoch immer noch das kleine, schüchterne Muttersöhnchen geblieben ist, dabei aber doch nur ein imponierender Held sein will. Dann gibt es noch Suzi, die als Gegenpol fungiert. Sie ist die Jugend und somit jemand mit Zukunft.
Edo Popovic hat gewissermaßen ein Buch über Kroatiens untergetauchte Generation geschrieben, die noch nicht in Altersheime abgeschoben wurde. In seinem Wesen ist es aber gleichwertig mit einer Geschichte, die sich auch in Berlin, Köln oder Frankfurt hätte abspielen können. Auch dort gibt es Viertel, in denen die Einführung einer ausländischen Biersorte von den Kneipenbesuchern skeptisch aufgenommen und nicht als Verkörperung des Fortschritts gefeiert wird.
Es ist ein mitreißendes, lebendig geschriebenes Melodram, das die scheinbar dunkle Zukunft ein bisschen heller erleuchten lässt. Der ehemalige Kriegsreporter hat ein tosendes, literarisches Feuerwerk erschaffen, dem – und das merkt man – er sein Herz geschenkt hat.
Mich hat das Buch von der Stelle weg auf eine Reise mitgenommen, die ich häufiger unterbrechen musste, um mich ein bisschen länger an dem eben Gelesenen zu erfreuen. Dann konnte ich es wieder kaum abwarten, zu erfahren, wie es weiterging. Es war ein Zufallsgriff in der Buchhandlung. Den habe ich meinem goldenen Händchen zu verdanken.
Buch: Ausfahrt Zagreb-Süd, Autor: EDO Popovic, Verlag: Voland & Quist, Gebunden mit Audio CD: 17,90 Euro.

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